Gebet in der katholischen Praxis
Dieselben Worte, ein beharrliches Gebet
Vor seinem Leiden zieht sich Jesus in den Garten Getsemani zurück und betet erneut mit denselben Worten. Matthäus berichtet, dass die Jünger schlafen, während Jesus sich wieder zum Gebet wendet. Die Kirche liest diese Szene als Zeugnis dafür, dass wiederholte Worte ein aufmerksames Gebet tragen können. Ein Einwand fragt, ob daraus eine Berechtigung für regelmäßige Wiederholungsgebete folgt.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Das Gebet in Getsemani Bibel und Textverständnis
Matthäus berichtet, dass Jesus zum dritten Mal mit denselben Worten betet
Was die angeführte Stelle bezeugt, zeigt sich an der Szene im Garten Getsemani.
Und er ließ sie, ging wieder weg und betete zum dritten Mal mit den gleichen Worten.
Auszug aus Mt 26,44 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Jesus betet in Getsemani zum dritten Mal mit denselben Worten.
Vor seinem Leiden zieht sich Jesus im Bewusstsein der bevorstehenden Passion zum Gebet zurück, während die Jünger schlafen. Matthäus berichtet, dass Jesus zum dritten Mal mit denselben Worten betet (Mt 26,44).
Die Wiederholung gehört in dieser Stunde zu seinem beharrlichen Gebet; sie trägt seine vertrauensvolle Hinwendung zum Vater. Was die Worte zusammenhalten, ist die Beziehung, aus der sie gesprochen werden.
Die Wiederholung von Worten Glaube und Überlieferung
Die Kirche unterscheidet zwischen der bloßen Wiederholung von Worten und einem wiederholten Gebet
Die Kirche liest diese Szene als Beispiel eines wiederholten Gebets und fragt, worauf es dabei ankommt.
Jesu Gebet im Garten Getsemani ist eine anhaltende Bitte und eine Hingabe an den Vater angesichts der Passion. Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) sieht in diesem Gebet die Tiefe des Betens Jesu als Sohn, der sich dem Willen des Vaters überlässt (KKK 2605). Er zeigt auch, dass die Kirche wiederholte Bitten aufgenommen hat: Der Ruf des Blinden „Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ (Mk 10,48), den Jesus erhört, ging in die Überlieferung des Jesusgebetes ein (KKK 2616).
Die Kirche unterscheidet dabei zwischen der bloßen Wiederholung von Worten und einem wiederholten Gebet, das aus lebendigem Glauben und ernsthafter Hinwendung zu Gott gesprochen wird. Wiederholte Worte tragen die Sammlung, solange der Beter bei dem bleibt, was er sagt.
Der Ausnahmecharakter der Szene Glaube und Überlieferung
Rechtfertigt Jesu Wiederholung regelmäßige Wiederholungsgebete?
Jesus wiederholt die Worte in einer außergewöhnlichen Krisensituation. Daraus folgt nach diesem Einwand keine Berechtigung für regelmäßige wiederholte Gebete.
Der Einwand trifft einen richtigen Punkt: Eine einzelne Nacht in Todesnot begründet für sich noch keine Ordnung des Betens. Was die Szene zeigt, ist gleichwohl mehr als eine Notmaßnahme. Jesus bleibt mit denselben Worten bei seiner Bitte; die Wiederholung steht seinem Gebet nicht im Weg, sie hält es zusammen.
Die Stelle zeigt, dass wiederholte Worte ein beharrliches, aufmerksames Gebet tragen können. Das regelmäßige Beten fester Worte hat zudem eigene Wurzeln im Neuen Testament: Jesus gibt seinen Jüngern eine feste Formel („Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, geheiligt werde dein Name“, Lk 11,2), Petrus und Johannes gehen „zur Gebetszeit um die neunte Stunde“ in den Tempel (Apg 3,1), und die ersten Gemeinden beteten das Gebet des Herrn „dreimal am Tag“ (KKK 2767 mit Didaché 8,3).