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Gebet und katholische Praxis

Vaterschaft als Dienst: was Paulus und die Apostel bezeugen

Drei Stellen des Neuen Testaments sprechen von Vaterschaft und väterlicher Begleitung. Sie zeigen, wie geläufig diese Sprache im geistlichen wie im gewöhnlichen Zusammenhang ist. Daran knüpft die Kirche an, wenn sie geistliche Vaterschaft als Dienst am Glauben versteht.

3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Zwei Hände halten einen fünfgesätzigen Rosenkranz mit Medaille und Kreuz; fünf Evangeliumsszenen umgeben ein zentrales Christuslicht.
GebetKI-generierte Illustration
Vor dem LesenBetend lesen

Im Geist hören

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.

Komm, Heiliger Geist.

Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.

Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.

Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.

Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87

Vaterschaft im geistlichen Dienst Bibel und Textverständnis

Das Neue Testament gebraucht die Sprache von Vaterschaft im geistlichen Dienst und in der Anrede

Paulus redet von sich als geistlichem Vater und vergleicht seinen Dienst mit dem eines Vaters; in der Apostelgeschichte eröffnet Stephanus seine Antwort mit der Anrede „Brüder und Väter“.

Hättet ihr nämlich auch unzählige Erzieher in Christus, so doch nicht viele Väter. Denn in Christus Jesus habe ich euch durch das Evangelium gezeugt.

Auszug aus 1 Kor 4,15 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Paulus nennt sich durch das Evangelium den geistlichen Vater der Korinther.

1 Kor 4,15: Zusammenhang und Übersetzung

Ihr wisst auch, dass wir, wie ein Vater seine Kinder, jeden Einzelnen von euch ermahnt, ermutigt und beschworen haben zu leben, wie es Gottes würdig ist, der euch zu seinem Reich und zu seiner Herrlichkeit beruft.

Auszug aus 1 Thess 2,11–12 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Paulus beschreibt seine Begleitung wie ein Vater, der ermutigt und ermahnt.

1 Thess 2,11: Zusammenhang und Übersetzung

Paulus beschreibt seine Beziehung zu den Korinthern mit der Sprache geistlicher Vaterschaft. Durch das Evangelium, so schreibt er, hat er die Gemeinde in Christus gezeugt, und er nennt sich selbst ihren geistlichen Vater (1 Kor 4,15). Auch im Blick auf die Gemeinde von Thessalonich gebraucht er dieses Bild: Er vergleicht seinen Dienst mit dem Verhalten eines Vaters, der seine Kinder ermutigt und ermahnt und ihnen den Weg eines Lebens weist, das ihrer Berufung würdig ist (1 Thess 2,11–12). Diese Vaterschaft ist abgeleitet; sie lebt aus dem Evangelium und aus dem Dienst an der Gemeinschaft.

Stephanus antwortete: Brüder und Väter, hört mich an!

Auszug aus Apg 7,2 · EÜ 2016 · © KBA 2016

Was die Stelle zum Argument beiträgt

Stephanus redet seine Zuhörer als »Brüder und Väter« an.

Apg 7,2: Zusammenhang und Übersetzung

Die Sprache der Vaterschaft reicht über das Verhältnis eines Einzelnen zu einer Gemeinde hinaus: In der Apostelgeschichte eröffnet Stephanus seine Antwort mit der Anrede „Brüder und Väter“ (Apg 7,2). Stephanus spricht so die Mitglieder des Hohen Rates an, vor den man ihn gebracht hat (Apg 6,12.15), und redet im selben Satz von „unserem Vater Abraham“; die Anrede „Väter“ ehrt hier gerade religiöse Autoritäten. Die angeführten Stellen bezeugen damit einen Sprachgebrauch, in dem Vaterschaft für einen geistlichen Dienst und als ehrende Anrede vorkommt.

Dienst am Glauben Glaube und Überlieferung

Geistliche Vaterschaft ist Dienst am Glauben und bleibt von Gottes Vaterschaft abhängig

Wer geistlicher Vater genannt wird, dient dem Wirken Gottes; den Glauben bringt er nicht aus eigener Macht hervor.

Die Kirche liest die angeführten Stellen als Zeugnis einer Vaterschaft, die aus dem Evangelium lebt. Das Evangelium ist es, das Menschen zu Christus führt; wer in diesem Dienst steht, begleitet einen Weg, den Gott selbst wirkt. Der Dienst bleibt von Gottes einzigartiger Vaterschaft abhängig.

Christlich ist ein solcher Dienst dort, wo er auf Gott verweist und die ihm anvertrauten Menschen auf Gott hin bindet. Die angeführten Stellen zeigen damit die biblische Grundlage der katholischen Praxis geistlicher Vaterschaft. Die Kirche führt diese Spur weiter, wenn sie Hirten und Lehrer im Glauben als geistliche Väter anspricht; jede solche Anrede bleibt an die Vaterschaft Gottes gebunden, von der jede Vaterschaft ihren Namen hat (vgl. Eph 3,15).

Quellen zu dieser Frage 1

Die Metapher des Paulus Glaube und Überlieferung

Berechtigt Paulus’ Metapher zur Anrede geistlicher Amtsträger?

Nach diesem Einwand verwendet Paulus eine Metapher, kirchliche Titel dagegen seien etwas anderes; aus seiner Redeweise lasse sich deshalb keine Berechtigung ableiten, geistliche Amtsträger als Vater anzureden.

Der Einwand setzt bei der Textsorte an. Eine Metapher, also ein bildhafter Ausdruck, beschreibt eine Beziehung; sie schafft keinen Amtsnamen. Zwischen der bildhaften Redeweise, einer familiären Anrede und einem kirchlichen Titel bestehen erkennbare Unterschiede, und aus einem Bild lässt sich kein Titel ableiten.

Der Einwand trifft insofern, als Paulus mit seinem Bild keine Amtswürde begründet. Die Anrede „Vater“ leitet sich denn auch nicht aus dem Bild her; sie bezieht sich auf den Dienst, den Paulus beschreibt: Er hat die Gemeinde durch das Evangelium gezeugt und begleitet sie wie ein Vater seine Kinder. Paulus meint damit wirkliche Beziehungen zu einzelnen Menschen: Onesimus nennt er sein Kind, „dem ich im Gefängnis zum Vater geworden bin“ (Phlm 10), Timotheus „mein geliebtes und treues Kind im Herrn“ (1 Kor 4,17); der erste Johannesbrief wendet sich eigens an die „Väter“ in der Gemeinde (1 Joh 2,13). In dieser Spur stehen die kirchlichen Anreden „Pater“ und „Heiliger Vater“: Sie benennen diesen Dienst und binden ihn an die Grenze, die für jede menschliche Vaterschaft gilt. Kein Mensch darf Gottes einzigartige Vaterschaft und Autorität an sich ziehen; kirchliche Vaterschaft beansprucht keine göttliche Ursächlichkeit. Sie bezeichnet eine geistliche Aufgabe unter Gottes Autorität und verweist über die Person des Amtsträgers hinaus auf Gott.

Quellen zu dieser Frage 1
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