Fürbitte der Gerechten
Jeremia bittet für Volk und heilige Stadt
2 Makk 15,12–16 schildert eine Erscheinung, in der Onias und der verstorbene Prophet Jeremia für das jüdische Volk und die heilige Stadt eintreten. Die Szene bezeugt die fortdauernde geistliche Verbundenheit eines verstorbenen Gerechten mit dem Gottesvolk.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Fürbitte eines Verstorbenen Bibel und Textverständnis
Ein verstorbener Gerechter betet für das Volk und die heilige Stadt
In einer Erscheinung stehen zwei verstorbene Gerechte vor Augen; einer von ihnen tritt für das Volk ein.
Onias begann zu reden und sagte: Das ist der Freund seiner Brüder, der viel für das Volk und die heilige Stadt betet, Jeremia, der Prophet Gottes.
Auszug aus 2 Makk 15,12–16 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Der verstorbene Jeremia erscheint als Fürsprecher für das Volk und die heilige Stadt.
Fürbitte meint das Eintreten eines Beters bei Gott für andere. 2 Makk 15,12–16 schildert eine Erscheinung, in der der verstorbene Prophet Jeremia sichtbar wird. Der Text beschreibt ihn als Prophet Gottes und als einen, der viel für das Volk und die heilige Stadt betet. An seiner Seite steht Onias. Beide treten in dieser Szene als Fürsprecher für das jüdische Volk und die heilige Stadt auf: Jeremia trägt die Anliegen des Volkes vor Gott und wird als einer dargestellt, der für die Brüder betet.
Damit bezeugt die Szene die fortdauernde geistliche Verbundenheit eines verstorbenen Gerechten mit dem Gottesvolk und seine Fürsprache vor Gott. Das zweite Makkabäerbuch gehört zu den deuterokanonischen Büchern. Deuterokanonisch nennt man Bücher, die im katholischen Kanon zum Alten Testament gezählt werden, in anderen christlichen Traditionen jedoch nicht zum kanonischen Alten Testament gehören. Für die weitere Lehre von der Gemeinschaft der Heiligen bildet die Stelle einen konkreten biblischen Bezugspunkt.
Fürbitte der Seligen Glaube und Überlieferung
Die Kirche lehrt die Fürbitte der Seligen unter dem einen Mittler Christus
Die Kirche liest die Erscheinung als Zeugnis der bleibenden Gemeinschaft zwischen den verstorbenen Gerechten und dem Gottesvolk auf Erden.
Das Zweite Vatikanische Konzil sagt von den Seligen, dass sie nicht aufhören, „durch ihn, mit ihm und in ihm beim Vater für uns Fürbitte einzulegen“, indem sie die Verdienste darbringen, die sie „durch den einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, Christus Jesus“, erworben haben (LG 49; vom Katechismus in KKK 956 aufgenommen). Mittler meint den Einen, durch den dieses Eintreten geschieht; Selige sind die bei Gott vollendeten Gerechten. Die Kirche versteht die Fürbitte der Heiligen von Christus her: Er ist der Mittler, in dem jedes Eintreten beim Vater geschieht.
Die Stelle trägt die Wirklichkeit himmlischer Fürbitte verstorbener Gerechter; die Bitte an die Heiligen entfaltet die Kirche aus der Gemeinschaft der Heiligen, in der die Seligen beim Vater für die Kirche eintreten.
Quellen zu dieser Frage 3
Der deuterokanonische Status Glaube und Überlieferung
Kann eine deuterokanonische Passage die Fürsprache der Gerechten belegen?
Protestantische Traditionen erkennen 2 Makk nicht als Teil des kanonischen Alten Testaments an.
Der Einwand lautet, dass die Passage deuterokanonisch ist und deshalb für die Fürsprache der Gerechten nichts beitragen kann, solange der Kanon das Buch nicht enthält. Kanon meint die verbindliche Liste der biblischen Bücher, die als Heilige Schrift gelten. Deuterokanonische Bücher hängen damit von der Frage ab, welcher Kanon für die Auslegung maßgeblich ist.
Die Kirche hat das zweite Makkabäerbuch mit den übrigen deuterokanonischen Büchern als Heilige Schrift empfangen; das Konzil von Trient hat diesen Kanon verbindlich festgestellt (KKK 120). Für die Kirche ist 2 Makk 15,12–16 darum ein Schriftzeugnis dafür, dass ein verstorbener Gerechter für das Volk betet. Wer das Buch nicht zum Kanon zählt, findet in ihm dennoch ein Zeugnis dafür, dass Israel vor Christus mit der Fürbitte verstorbener Gerechter rechnete; der Verfasser nennt die Vision des Judas einen „überaus glaubwürdigen Traum“ (2 Makk 15,11). Die Frage des Kanons selbst behandelt das Thema Bibelkanon.