Fürbitte der Heiligen
Raphael und die Gebete der Menschen
Am Ende des Buches Tobit sagt der Engel Raphael, dass er das Gebet Tobits und Saras vor die Herrlichkeit des Herrn getragen und dort in Erinnerung gerufen hat. Der Vers bezeugt damit, dass menschliches Gebet vor Gott gebracht wird.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Raphaels Darbringung der Gebete Bibel und Textverständnis
Raphael trägt das Gebet von Tobit und Sara vor die Herrlichkeit des Herrn
Tob 12,12 schildert am Ende des Buches Tobit, was der Engel Raphael getan hat.
Als ihr gebetet habt, du und Sara, war ich es, der euer Gebet vor die Herrlichkeit des Herrn getragen hat.
Auszug aus Tob 12,12 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Raphael berichtet, er habe das Gebet von Tobit und Sara vor die Herrlichkeit des Herrn getragen.
Am Ende des Buches Tobit erklärt der Engel Raphael, dass er das Gebet von Tobit und Sara vor die Herrlichkeit des Herrn getragen und es dort in Erinnerung gerufen hat. Der Vers benennt damit zwei Schritte: das Tragen vor die Herrlichkeit des Herrn und das Erinnern an dieses Gebet an jenem Ort. Die beiden beten auf der Erde, jeder an seinem Ort, und ihr Gebet gelangt doch vor Gott.
Was Tob 12,12 bezeugt, ist die himmlische Darbringung menschlichen Gebets. Ein Engel ist es, der das Gebet vor die Herrlichkeit des Herrn bringt und dort in Erinnerung ruft, und dieser Engel tritt als Bote und Diener Gottes auf. Raphael ist ein Engel; von ihm ist der verstorbene Heilige zu unterscheiden, dessen Fürbitte in der Gemeinschaft der Heiligen ihren Ort hat.
Gemeinschaft der Heiligen Glaube und Überlieferung
Die Kirche lehrt die Fürbitte der Heiligen in der Gemeinschaft der Heiligen
Die Fürbitte der Heiligen steht in der Gemeinschaft der Heiligen, die der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) und das Konzilsdokument Lumen gentium (LG) entfalten.
Die Gemeinschaft der Heiligen meint die Verbundenheit der Gläubigen auf Erden mit den Vollendeten im Himmel. In dieser Verbundenheit bleibt das Gebet nicht auf die Erde beschränkt: Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil findet durch die brüderliche Sorge der Heiligen im Himmel „unsere Schwachheit reichste Hilfe“ (LG 49). Tob 12,12 bezeugt, dass menschliches Gebet vor die Herrlichkeit des Herrn gebracht und dort in Erinnerung gerufen wird.
Diese Fürbitte steht im Zusammenhang mit der himmlischen Darbringung der Gebete, die das eigene Kapitel zu den Gebeten vor Gottes Thron entfaltet. Die Fürbitte der Heiligen steht dabei unter der einen Vermittlung Christi und ordnet sich ihr vollständig unter.
Quellen zu dieser Frage 3
Anrufung verstorbener Heiliger Glaube und Überlieferung
Belegt Raphael die Anrufung verstorbener Heiliger?
Gegen die Heranziehung dieser Stelle wird eingewandt, Tob 12,12 belege die Anrufung verstorbener Heiliger nicht.
Der Einwand hat zwei Teile. Raphael ist ein Engel und damit ein Bote Gottes; von ihm sind die verstorbenen Heiligen zu unterscheiden. Zudem gehört Tobit nicht zum protestantischen Kanon: Das Buch zählt zu den deuterokanonischen Büchern, also zu jenen Schriften, die in der katholischen Bibel zum Alten Testament gerechnet werden und die die reformatorischen Kirchen nicht zum Kanon zählen. Aus beidem folgt für den Einwand, dass die Stelle die Anrufung verstorbener Heiliger nicht beweist.
Tob 12,12 zeigt die himmlische Darbringung menschlichen Gebets durch einen Engel. Kanon meint die Liste der Bücher, die die Kirche als Heilige Schrift empfangen hat; Tobit gehört nach der Lehre der Kirche zum Alten Testament (KKK 120). Dass Engel für Menschen bei Gott eintreten, bezeugen auch Bücher, die alle Christen als kanonisch anerkennen: Der Engel des HERRN bittet für Jerusalem (Sach 1,12), und das Buch Ijob spricht von einem Engel als „Mittler“ für den Menschen (Ijob 33,23); der Katechismus führt diese Stellen mit Tob 12,12 zusammen an (KKK 336). Die Fürbitte verstorbener Heiliger ruht auf der Gemeinschaft der Heiligen und auf der einen Mittlerschaft Christi; in dieser Verbindung trägt die Stelle die kirchliche Praxis der Heiligenanrufung mit. Wie die Kirche die Heiligen direkt um ihre Fürsprache bittet, entfaltet das zweite Unterthema „Die Heiligen um Fürsprache bitten“.