Gemeinschaft der Heiligen
Für Gott leben die Verstorbenen
Der Hebräerbrief und das Lukasevangelium beschreiben die Verstorbenen als lebendig bei Gott und als Teil der einen Gemeinschaft des Heils. Aus dieser Gemeinschaft ergibt sich die Frage, ob die vollendeten Gerechten für die Lebenden eintreten können.
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Wolke der Zeugen Bibel und Textverständnis
Eine Wolke von Zeugen und die Geister der vollendeten Gerechten
Die angeführten Stellen bezeugen eine Gemeinschaft, die über den Tod hinausreicht.
Darum wollen auch wir, die wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, alle Last und die Sünde abwerfen.
Auszug aus Hebr 12,1 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Glaubenden sind von einer Wolke von Zeugen umgeben.
und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.
Auszug aus Hebr 12,2 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Blick der Glaubenden wird auf Jesus gelenkt, den Urheber und Vollender des Glaubens.
Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hinzugetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung.
Auszug aus Hebr 12,22–23a · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Glaubenden treten zur himmlischen Versammlung und zu den vollendeten Gerechten hinzu.
Der Hebräerbrief reiht die Glaubenden in eine Gemeinschaft ein, die nicht mit ihnen beginnt. Hebr 12,1 spricht von einer Wolke von Zeugen und ruft die Lebenden zum ausdauernden Lauf auf; Hebr 12,2 lenkt den Blick auf Jesus, den Urheber und Vollender des Glaubens. Hebr 12,22–24 führt zur himmlischen Versammlung, zum himmlischen Jerusalem, zur Gemeinschaft der Erstgeborenen und zu den Geistern der vollendeten Gerechten; Jesus erscheint dort als Mittler des neuen Bundes. Hebr 11,39–40 ordnet die Vollendung dieser Glaubenden in die eine Vollendung aller Glaubenden ein.
Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn leben sie alle.
Auszug aus Lk 20,38 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Jesus sagt, dass die Verstorbenen für Gott leben.
Als das Lamm das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen aller, die hingeschlachtet worden waren wegen des Wortes Gottes.
Auszug aus Offb 6,9a · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Seelen der Hingeschlachteten rufen unter dem Altar.
Bei Lukas bekräftigt Jesus im Streitgespräch mit den Sadduzäern über die Auferstehung der Toten, dass Gott der Gott der Lebenden ist; für ihn leben alle. Die Schrift beschreibt die vollendeten Gerechten damit als lebendig bei Gott und weiterhin in die eine Gemeinschaft des Heils eingeordnet. Dieselbe Wirklichkeit steht in der Offenbarung des Johannes vor Augen: Die um des Glaubens willen Getöteten sind vor Gott lebendig. Diese bleibende Gemeinschaft wirft die Frage nach der Fürsprache der vollendeten Gerechten auf.
Bitte um Fürsprache Glaube und Überlieferung
Die Kirche kann die Heiligen um ihre Fürsprache bitten
Die Kirche liest die Stellen als Zeugnis der einen Gemeinschaft und zieht daraus eine Folgerung für das Gebet.
Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) zieht aus der Gemeinschaft der Heiligen die Folgerung für das Gebet: Die Kirche kann und soll die Heiligen bitten, für sie und für die ganze Welt einzutreten (KKK 2683). Diese Bitte ruht auf dem Grund, den die Schrift bezeugt; sie setzt voraus, dass die Verstorbenen bei Gott leben und zu derselben Gemeinschaft gehören.
Das Zweite Vatikanische Konzil sagt: „Die Einheit der Erdenpilger mit den Brüdern, die im Frieden Christi entschlafen sind, hört keineswegs auf“; sie wird vielmehr „gestärkt durch die Mitteilung geistlicher Güter“ (LG 49).
Der Zusammenhang der Aussage Glaube und Überlieferung
Spricht Lk 20,38 nur von der künftigen Auferstehung?
Der Einwand liest Lk 20,38 als Wort über die künftige Auferstehung, nicht über ein gegenwärtiges Leben der Verstorbenen bei Gott.
Lk 20,38 steht im Streitgespräch Jesu mit den Sadduzäern über die Auferstehung der Toten. Der Vers antworte deshalb nur auf die Frage, ob die Toten am Ende auferstehen, und sage nichts darüber, ob die Gerechten schon jetzt bei Gott leben. Auch der Hebräerbrief führe die Zeugen nur als Beispiele des Glaubenslaufs an und lenke den Blick auf Jesus.
Jesus begründet die künftige Auferstehung mit einer gegenwärtigen Wirklichkeit: Mose nennt den Herrn den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, und Gott ist kein Gott von Toten, „denn für ihn leben sie alle“ (Lk 20,37–38); dem entspricht die Zusage eines Lebens bei Christus unmittelbar nach dem Tod (Lk 23,43; Phil 1,23). Die Kirche hat definiert, dass die Seelen der Heiligen „auch vor der Wiederannahme ihrer Leiber“ das göttliche Wesen „in einer unmittelbaren Schau“ schauen (Benedikt XII.; KKK 1023). Der Beitrag der Stellen liegt damit in der Verbindung der pilgernden Kirche mit den vollendeten Gerechten, die jetzt bei Gott leben. Wie die Heiligen von den Bitten der Kirche erfahren, wird im eigenen Schritt zur Kenntnis der Heiligen behandelt.