Eucharistie · Priestertum und Opfer
Das reine Opfer unter den Völkern
Maleachi verheißt ein reines Opfer, das vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang unter den Völkern dargebracht wird. Die Kirche liest diese Verheißung als Hinweis auf die Eucharistie, in der das eine Opfer Christi unter allen Völkern sakramental gegenwärtig ist.
4 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Das reine Opfer Bibel und Textverständnis
Maleachi verheißt ein reines Opfer unter den Völkern
Der Prophet stellt der verunreinigten Opferpraxis seiner Zeit die Ankündigung eines reinen Opfers gegenüber, das an jedem Ort dargebracht wird.
Ja, vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang steht mein Name groß da bei den Völkern und an jedem Ort wird meinem Namen ein Rauchopfer dargebracht und eine reine Opfergabe; ja, mein Name steht groß da bei den Völkern, spricht der HERR der Heerscharen.
Auszug aus Mal 1,11 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Maleachi kündigt nach der Kritik an verunreinigten Gaben ein reines Opfer an, das unter den Völkern überall dargebracht wird.
Der Prophet wendet sich an die Priester, die ihre Opfergaben gering achten und dem Herrn Verunreinigtes darbringen. Dieser kritisierten Praxis stellt er die Verheißung entgegen: Gottes Name wird groß sein unter den Völkern, und an jedem Ort wird ein reines Opfer dargebracht, vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang.
Damit weitet der Prophet den Horizont des Opferdienstes über den Zustand hinaus, den er tadelt. Das angekündigte Opfer ist an keinen einzelnen Ort und an kein einzelnes Volk gebunden; es umfasst die Völker und die ganze Zeit des Tages. Maleachi nennt dieses Opfer rein und verbindet es mit der Größe des Namens Gottes unter den Völkern.
Der neue Bund Bibel und Textverständnis
Einsetzung, Teilhabe und das eine Opfer im Neuen Bund
Beim letzten Mahl setzt Christus das Mahl ein, an dem die Gemeinden teilhaben, und der Hebräerbrief zeigt das eine Opfer, das er dargebracht hat.
Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
Auszug aus Lk 22,19 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Die Einsetzungsworte verbinden Mahl, Bund und Hingabe.
Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?
Auszug aus 1 Kor 10,16 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus ordnet Kelch und Brot als Teilhabe an Blut und Leib Christi in einen kultischen Zusammenhang ein.
Beim letzten Mahl deutet Jesus Brot und Kelch auf seinen Leib und sein Blut und trägt den Jüngern auf, dies zu seinem Gedächtnis zu tun. Paulus überliefert diese Worte an die Gemeinde in Korinth und nennt den Kelch, den die Gläubigen segnen, Teilhabe am Blut Christi, das Brot, das sie brechen, Teilhabe am Leib Christi. Die Feier versammelt die Vielen zu einem Leib.
Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi geheiligt - ein für alle Mal.
Auszug aus Hebr 10,10 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Der Hebräerbrief bezeugt das eine, einmalige Opfer Christi.
Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.
Auszug aus 1 Kor 11,26 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was die Stelle zum Argument beiträgt
Paulus beschreibt die Feier des Herrenmahls als Verkündigung des Todes des Herrn.
Auf die Verheißung des reinen Opfers folgen Einsetzung und Teilhabe: Der Hebräerbrief zeigt, dass es das eine Opfer Christi ist, das die Kirche in der Eucharistie gegenwärtig feiert; Christus hat sich ein für alle Mal dargebracht und sitzt zur Rechten Gottes, sodass sein Priestertum bleibt und sein Opfer nicht wiederholt wird. Paulus verbindet damit die Verkündigung: Sooft die Gemeinde das Mahl hält, verkündet sie den Tod des Herrn, bis er kommt.
Die Erfüllung Glaube und Überlieferung
Warum die Kirche die Verheißung in der Eucharistie erfüllt sieht
Die Kirche erkennt im reinen Opfer des Propheten die Eucharistie, die unter allen Völkern gefeiert wird.
Die Kirche nimmt für die Eucharistie die Sprache des reinen Opfers auf (KKK 1330) und lehrt, dass in ihr das eine Opfer Christi gegenwärtig ist (KKK 1365–1367). Diese Verbindung reicht bis in die Zeit nach den Aposteln zurück: Die Didache, eine frühchristliche Gemeindeordnung, wohl um das Jahr 100 entstanden, mahnt die Gemeinde, am Tag des Herrn das Brot zu brechen und Dank zu sagen, nachdem sie ihre Sünden bekannt hat, damit ihr Opfer rein sei, und beruft sich dafür auf das Wort vom reinen Opfer an jedem Ort (Didache 14). Das Zweite Vatikanische Konzil sieht dieses Prophetenwort im eucharistischen Opfer erfüllt, durch das der Priester die Auferbauung des Leibes Christi vollendet (LG 17). So lebt die Feier der Kirche ganz aus dem Kreuz: In der Eucharistie wird dasselbe Opfer Christi vergegenwärtigt, das er am Kreuz dargebracht hat.
Das Konzil von Trient hat diese Einheit in der zweiundzwanzigsten Sitzung festgehalten und bekannt, dass es ein und dasselbe Opfer ist, das in unblutiger Weise dargebracht wird (Sessio XXII, Kap. 1–2). Der Katechismus sagt, dass diese Darbringung in unblutiger und sakramentaler Weise geschieht (KKK 1369). Der universale Horizont der Verheißung und die an jedem Ort gefeierte Eucharistie gehören so zusammen: Die Kirche verbindet die Verheißung mit der Einsetzung Christi beim letzten Mahl und mit der apostolischen Feier, die von den Gemeinden getragen wird.
Die Rückfrage Glaube und Überlieferung
Meint Maleachi nur Gebet und die Anbetung der Völker?
Der Prophet nennt weder Brot und Wein noch die Eucharistie; seine Worte lassen sich auch als Gebet und Anbetung der Völker lesen.
Wer den Text von seinen eigenen Worten her liest, kann das reine Opfer als das geistliche Opfer des Gebets verstehen oder als Bild für die Anbetung, die Gott von den Völkern entgegennimmt. Beide Lesarten nehmen den universalen Horizont des Textes ernst: Gottes Name wird groß unter den Völkern, und die Anbetung reicht vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang.
Die Kirche liest die Verheißung von den Worten des Propheten her: Er nennt selbst „ein Rauchopfer … und eine reine Opfergabe“, die an jedem Ort dargebracht werden. Dieses reine Opfer ist in der Eucharistie erfüllt, weil sie das eine Opfer Christi vergegenwärtigt (KKK 1369). An jedem Ort dargebracht: Daraus erwächst die Frage, wer dieses Opfer darbringt; das folgende Zeugnis gibt die Antwort, denn Jesaja kündigt an, dass Gott Priester aus den Völkern nimmt, und an ihnen erreicht das reine Opfer die Völker.