Glaube und Zeichen
Gott ordnet Kerubim aus Gold für die Bundeslade an
Gott selbst ordnet die bildliche Ausstattung seines Heiligtums an. Verbietet das Bilderverbot dann wirklich jedes religiöse Bild?
3 Fragen · Alle Bibelstellen im Wortlaut · Quellen zum Prüfen

Die Schrift erschließt sich in dem Heiligen Geist, in dem sie geschrieben wurde. Ein kurzes Gebet stimmt auf das Lesen ein.
Vor dem LesenBetend lesen
Im Geist hören
Die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten. Wer sie liest, darf um den Geist bitten, der die biblischen Verfasser inspiriert hat und die Kirche in alle Wahrheit führt.
Komm, Heiliger Geist.
Öffne unseren Verstand für Gottes Wort und unser Herz für Christus. Lehre uns, die Heilige Schrift im Glauben der Kirche zu hören, und führe uns dazu, das Erkannte zu leben. Amen.
Im Gebet wird die Schriftlesung zum Gespräch mit Gott.
Bibelzitat, redaktionelle Erläuterung und Gebet bleiben klar unterschieden. Als Heilige Schrift gilt nur der gekennzeichnete Bibeltext; Erläuterungen und Gebete sind redaktionell verantwortet und anhand ihrer Quellen prüfbar.
Zum Weiterlesen:Dei Verbum 12 und 25Verbum Domini 15–16 und 86–87
Die Kerubim der Bundeslade Bibel und Textverständnis
Die Anweisung für die Bundeslade kommt von Gott selbst
Ex 25,18–22 berichtet von zwei Kerubim aus getriebenem Gold, die Gott für die Bundeslade anfertigen lässt und deren Platz über der Lade er bestimmt.
Mach zwei Kerubim aus getriebenem Gold und arbeite sie aus den beiden Enden der Sühneplatte heraus!
Auszug aus Ex 25,18–22 · EÜ 2016 · © KBA 2016↗
Was der Text unmittelbar zeigt
Gott selbst befiehlt goldene Kerubim für die Bundeslade.
Die Bundeslade ist der heilige Ort, an dem Gott Mose begegnet; die Kerubim, bildliche Gestalten aus Gold, gehören zu ihrer Ausstattung. Getriebenes Gold wird mit dem Hammer in Form gebracht.
Die Anweisung stammt von Gott selbst. Die bildliche Darstellung steht damit innerhalb einer göttlichen Anordnung für das Heiligtum und gehört zum Zusammenhang der Gegenwart Gottes über der Lade. Der Abschnitt bezeugt eine religiöse Darstellung, die Gott selbst für den Ort seiner Gegenwart bestimmt.
Zeichen der Gegenwart Gottes Glaube und Überlieferung
Die Kirche liest die Kerubim als Zeichen im Dienst der Gegenwart Gottes
Die Kirche versteht die Kerubim als Zeichen im Dienst der Gegenwart Gottes und zieht daraus einen Grundsatz für heilige Bilder.
An der Bundeslade gelten die Kerubim nicht als eigene Gottheiten; sie gehören zu einem Zeichen, das Gott selbst mit seiner Gegenwart verbindet. Die religiöse Bedeutung eines Bildes macht es nicht zum Götzen. Aus diesem Verhältnis von Zeichen und göttlicher Gegenwart leitet die Kirche einen allgemeinen Grundsatz ab: Heilige Bilder können auf Gottes Wirken verweisen. Christliche Bilder stellen Christus, die Gottesmutter und die Heiligen dar; die Verehrung gilt den dargestellten Personen, und die Ehre, die einem Bild erwiesen wird, geht auf sie über. Die Anbetung bleibt Gott vorbehalten (KKK 2132). Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) entfaltet diesen Grundsatz in seiner Lehre von den heiligen Bildern.
Ein Bild, das die unsichtbare göttliche Natur selbst abbilden will, ist unmöglich und verboten; Gott lässt sich nicht in einem Geschöpf festhalten (KKK 1159; 2129). Seit der Sohn Gottes Mensch geworden ist, kann er jedoch in seiner menschlichen Gestalt dargestellt werden; wer sein Bild verehrt, verehrt die Person des menschgewordenen Sohnes Gottes (KKK 476–477). Ein Kultbild, das als Gott angebetet wird, ist ebenso verboten; Götzendienst ist die Anbetung eines Bildes an Gottes Stelle. Schon im Alten Bund hat Gott dagegen Bilder angeordnet oder erlaubt, die sinnbildlich auf das Heil durch das fleischgewordene Wort hinweisen sollten: die bronzene Schlange, die Bundeslade mit den Kerubim und die Kerubim im Tempel Salomos (KKK 2130; Ex 25,18–22; 1 Kön 6,23–28). Ein solches Bild tritt nicht an Gottes Stelle; es dient seiner Gegenwart und weist auf Christus voraus.
Quellen zu dieser Frage 2
Eine Ausnahme im Heiligtum Glaube und Überlieferung
Sind die Kerubim nur eine Ausnahme für das Heiligtum?
Nach diesem Einwand sind die Kerubim eine Ausnahme für das Heiligtum und taugen deshalb nicht als Grundlage für christliche Bilder.
Der Einwand stützt sich auf den Grundsatz, Gott nur so zu verehren, wie er es in seinem Wort befohlen hat (Heidelberger Katechismus, Frage 96): Was Gott für sein Heiligtum eigens anordnet, erlaube keine Bilder, die er nicht befohlen hat.
Gerade weil die Kerubim zum Heiligtum gehören, sind sie aussagekräftig: Mitten am Ort der Gegenwart Gottes, wo Götzendienst am wenigsten geduldet werden konnte, lässt Gott selbst Bilder anfertigen. Sie schmücken auch nicht nur die Lade: Kerubim sind in die Zelttücher und den Vorhang des Heiligtums eingewebt (Ex 26,1.31), im Tempel Salomos an allen Wänden und Türen eingeschnitzt, und das große bronzene Becken, das „Meer“, steht auf zwölf Rindern (1 Kön 6,29.32.35; 7,23–25). Darum spricht der Katechismus von Bildern, die Gott „angeordnet oder erlaubt“ hat (KKK 2130), und noch der Hebräerbrief nennt die „Kerubim der Herrlichkeit“ über der Lade (Hebr 9,5).