Tradition
Lutherisch
Hier stehen offizielle Lehrpositionen. Angaben zu heutiger Praxis und innerkonfessionellen Unterschieden erscheinen nur, wenn eigene Quellen sie belegen.
Übersicht
Themen im Vergleich mit der Lehre der Kirche
- Eucharistie und MessopferIst das Abendmahl eine Erinnerung an ein vergangenes Opfer, oder macht Christus sein einmaliges Opfer im Mahl gegenwärtig, damit die Kirche daran teilhat?
- Dogma und GlaubenslehreWenn Christus seiner Kirche die Wahrheit anvertraut: Kann sie in einer entscheidenden Glaubensfrage endgültig sagen, was zu diesem Glauben gehört?
- Petrus und PapstamtHat Christus Petrus einen dauerhaften Leitungsdienst gegeben, oder war Petrus nur ein Apostel unter vielen?
- Sichtbare Kirche und LehramtIst die Kirche nur eine unsichtbare Gemeinschaft der Glaubenden, oder hat Christus ihr eine sichtbare, lehrende Gestalt gegeben?
- Schrift und TraditionIst die Bibel die einzige Regel des Glaubens, oder gehört eine verbindliche apostolische Tradition daneben?
- BibelkanonWer bestimmt den christlichen Kanon?
- Todsünde, lässliche Sünde und HeilKann ein Christ sein Heil verlieren, und was unterscheidet schwere von leichter Sünde?
- Beichte und SündenvergebungWarum braucht es die Beichte, wenn Gott Sünden vergibt?
- Taufe und KindertaufeIst die Taufe nur ein Zeichen des persönlichen Glaubens?
- FirmungWarum folgt auf die Taufe ein weiteres Sakrament des Heiligen Geistes?
- Priestertum und apostolische SukzessionSchließt das allgemeine Priestertum aller Getauften ein besonderes Amtspriestertum aus?
- KrankensalbungIst die Krankensalbung nur ein symbolisches Gebet für Kranke?
- EheWarum versteht die Kirche die Ehe als Sakrament und bleibenden Bund, und wie gehören die umstrittenen Scheidungsworte Jesu und die paulinische Ausnahme dazu?
- Gebet für Verstorbene und FegefeuerGibt es nach dem Tod eine Reinigung, für die Gebet sinnvoll ist?
- Die sieben Sakramente als biblische GesamtstrukturWoher kommt die katholische Lehre von sieben Sakramenten?
- Maria: Seligpreisung, Fürbitte und die Mutter des HerrnWarum nimmt Maria im katholischen Glauben einen so besonderen Platz ein?
- Heilige und Fürbitte: Gemeinschaft unter dem einen MittlerWie kann die Fürbitte der Heiligen mit der Aussage vereinbar sein, dass Christus der eine Mittler ist?
- Bilder und Reliquien: Verehrung ohne VergöttlichungWie können Bilder und Reliquien katholisch verwendet werden, wenn die Bibel vor Götzen warnt?
- Gebet und katholische Praxis: Vaterwort, Wiederholung und RosenkranzVerbietet Jesus das Wort „Vater“ für Menschen und wiederholte Gebete wie den Rosenkranz?
- Glaube, Gnade und Werke: Leben aus der Gemeinschaft mit ChristusWie gehören Gnade, Glaube und Werke zusammen, wenn die Rettung von Gott kommt?
Quellengestützt
Positionen im Überblick
Eucharistie und Messopfer
- Offizielle Lehrposition
- Lutherische Kirchen bekennen mit dem Augsburger Bekenntnis, dass „der wahre Leib und das wahre Blut Christi wirklich unter der Gestalt des Brotes und Weines im Abendmahl gegenwärtig ist“, und verwerfen die Gegenlehre (CA X). Die Konkordienformel beschreibt diese Gegenwart als Gegenwart „in, mit und unter“ Brot und Wein und lehnt die Wandlung der Substanz ab. Zugleich verwirft das Augsburger Bekenntnis die Auffassung, die Messe sei ein Werk, das die Sünden Lebender und Verstorbener tilge; Christi einmaliges Opfer genüge (CA XXIV). Der lutherische Widerspruch richtet sich daher gegen die Lehre vom Messopfer, nicht gegen die wirkliche Gegenwart.
Dogma und Glaubenslehre
- Offizielle Lehrposition
- Die Heilige Schrift ist alleiniger Richter, Maßstab und Norm. Die altkirchlichen Bekenntnisse und lutherischen Bekenntnisschriften gelten als treue Zeugnisse und Auslegungen der Schrift, nicht als gleichrangige unfehlbare Autorität.
Petrus und Papstamt
- Offizielle Lehrposition
- Nach den Schmalkaldischen Artikeln (II,4) und dem Traktat über Gewalt und Vorrang des Papstes (1537) ist der Papst nicht nach göttlichem Recht das Haupt der ganzen Christenheit. Melanchthon hielt einen Vorrang des Papstes nach menschlichem Recht um des Friedens willen für annehmbar, sofern der Papst das Evangelium zulässt. Das Augsburger Bekenntnis (Art. XXVIII) unterscheidet geistliche und weltliche Gewalt der Bischöfe.
Sichtbare Kirche und Lehramt
- Offizielle Lehrposition
- Nach dem Augsburger Bekenntnis ist die Kirche die Versammlung aller Gläubigen, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente dem Evangelium gemäß gereicht werden; das genügt zur wahren Einheit der Kirche (Artikel VII). Den Bischöfen steht nach göttlichem Recht zu, Sünden zu vergeben, Lehre zu beurteilen und dem Evangelium widersprechende Lehre zu verwerfen; darin schuldet ihnen die Gemeinde Gehorsam, nicht aber, wenn sie etwas gegen das Evangelium lehren (Artikel XXVIII).
Schrift und Tradition
- Offizielle Lehrposition
- Nach der Konkordienformel sind allein die prophetischen und apostolischen Schriften des Alten und Neuen Testaments Regel und Richtschnur, nach der alle Lehren und Lehrer zu beurteilen sind. Die Glaubensbekenntnisse und übrigen Schriften der Kirche sind nicht Richter wie die Schrift, sondern Zeugnis und Erklärung, wie die Schrift in den Streitfragen verstanden und ausgelegt wurde.
Bibelkanon
- Offizielle Lehrposition
- Die lutherischen Bekenntnisschriften legen kein Verzeichnis der biblischen Bücher fest. In lutherischen Bibelausgaben stehen die deuterokanonischen Bücher seit Luther gesondert als „Apokryphen“; als kanonisch gelten in lutherischen Kirchen heute in der Regel 66 Bücher.
Todsünde, lässliche Sünde und Heil
- Offizielle Lehrposition
- Das lutherische Bekenntnis verwirft die Lehre, wer einmal zum Glauben gekommen sei, könne nicht wieder in Sünde fallen; wer als Glaubender wissentlich gegen sein Gewissen sündigt, verliert Glauben und Heiligen Geist. Wer nach der Taufe gesündigt hat, erlangt jederzeit Vergebung, wenn er Buße tut, und die Absolution soll ihm nicht verweigert werden (Augsburger Bekenntnis, Artikel 12; Schmalkaldische Artikel III,3). Eine Einteilung der Sünden nach Materie, Erkenntnis und Zustimmung kennt es nicht; Vergebung gründet in Christus und seiner Verheißung.
Beichte und Sündenvergebung
- Offizielle Lehrposition
- Das Augsburger Bekenntnis hält die private Absolution in der Kirche fest, verlangt aber nicht, alle Sünden aufzuzählen, weil niemand alle seine Verfehlungen kennt (CA XI; Ps 19,13). Buße besteht nach CA XII aus Reue und dem Glauben an die Absolution; eine Vergebung durch eigene Genugtuung wird verworfen. Die Apologie nennt die Absolution das Sakrament der Buße (Apol. XIII,4); nach dem Kleinen Katechismus empfängt der Beichtende die Absolution vom Beichtiger „als von Gott selbst“.
Taufe und Kindertaufe
- Offizielle Lehrposition
- Nach dem Augsburger Bekenntnis ist die Taufe heilsnotwendig, und durch sie wird Gnade angeboten; auch die Kinder sollen getauft werden, weil sie durch die Taufe Gott übergeben und in seine Gnade aufgenommen werden (Artikel IX).
Firmung
- Offizielle Lehrposition
- Die lutherischen Bekenntnisschriften zählen die Firmung nicht zu den Sakramenten; sie gilt als von den Vätern übernommener Ritus ohne Gebot Gottes (Apologie XIII).
Priestertum und apostolische Sukzession
- Offizielle Lehrposition
- Die Augsburgische Konfession bejaht ein geordnetes öffentliches Predigt- und Sakramentsamt. Sie verwirft die Messe, sofern sie als menschliches Werk zur Tilgung von Sünden Lebender oder Verstorbener verstanden wird; der Streit betrifft daher nicht die bloße Existenz eines Amtes. Das Zweite Vatikanische Konzil würdigt, dass die reformatorischen Gemeinschaften im Abendmahl die lebendige Gemeinschaft mit Christus bekennen, sieht bei ihnen aber „vor allem wegen des Fehlens des Weihesakramentes“ die volle Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt (UR 22).
Krankensalbung
- Offizielle Lehrposition
- Die lutherischen Bekenntnisschriften zählen die Letzte Ölung nicht zu den Sakramenten: Die Apologie rechnet sie zu den von den Vätern übernommenen Riten, die kein Gebot Gottes haben (Art. XIII).
Ehe
- Offizielle Lehrposition
- Die Ehe wird als von Gott gegebene Ordnung hochgehalten, aber nicht im katholischen Sinn als Sakrament gezählt.
Gebet für Verstorbene und Fegefeuer
- Offizielle Lehrposition
- Die lutherischen Bekenntnisschriften verwerfen das Fegefeuer und die Messe als Opfer für Verstorbene, weil allein Christus und nicht Menschenwerk den Seelen helfe (Schmalkaldische Artikel II,2; CA XXIV). Das Gebet für die Toten verbietet die Apologie dagegen nicht; sie verwirft nur, dass das Abendmahl den Verstorbenen durch den bloßen Vollzug zugewendet werde (Apologie XXIV).
Die sieben Sakramente als biblische Gesamtstruktur
- Offizielle Lehrposition
- Taufe und Abendmahl werden als von Christus eingesetzte Sakramente bekannt; die Apologie des Augsburger Bekenntnisses zählt auch die Absolution zu den wahren Sakramenten und kann die Ordination ein Sakrament nennen, wenn sie als Dienst am Wort verstanden wird (Apol. XIII). Die private Absolution soll in der Kirche beibehalten werden (CA XI).
Maria: Seligpreisung, Fürbitte und die Mutter des Herrn
- Offizielle Lehrposition
- Das Augsburger Bekenntnis bekennt Christus als „geboren aus der reinen Jungfrau Maria“ (Art. III) und erinnert an die Heiligen als Vorbilder des Glaubens; nach Artikel XXI lehrt die Schrift aber weder die Anrufung der Heiligen noch die Bitte um ihre Hilfe, weil Christus der einzige Mittler ist. Die Unbefleckte Empfängnis und die Aufnahme Mariens lehrt es nicht.
Heilige und Fürbitte: Gemeinschaft unter dem einen Mittler
- Offizielle Lehrposition
- Das Augsburgische Bekenntnis (Art. XXI) bejaht das Gedenken der Heiligen als Beispiele des Glaubens, lehrt aber, dass sich aus der Schrift nicht beweisen lasse, dass man die Heiligen anrufen oder Hilfe bei ihnen suchen solle, weil Christus der eine Mittler und Fürsprecher ist. Die Apologie räumt ein, dass die Heiligen im Himmel für die Kirche im Allgemeinen beten, bestreitet aber, dass ihre Anrufung ein Gebot, eine Verheißung oder ein Beispiel in der Schrift habe.
Bilder und Reliquien: Verehrung ohne Vergöttlichung
- Offizielle Lehrposition
- Die lutherische Reformation hat den Bildersturm abgelehnt: Martin Luther verteidigte 1525 in „Wider die himmlischen Propheten, von den Bildern und Sakrament“ Bilder als Hilfe zum Gedächtnis, und lutherische Kirchen behielten Kruzifixe und Altarbilder. Die lutherischen Bekenntnisse zählen die Zehn Gebote wie die katholische Kirche, verwerfen aber die Anrufung der Heiligen (CA XXI) und den Reliquienkult ihrer Zeit (Schmalkaldische Artikel II,2).
Gebet und katholische Praxis: Vaterwort, Wiederholung und Rosenkranz
- Offizielle Lehrposition
- Das Augsburgische Bekenntnis XXI lehrt, dass die Schrift weder die Anrufung der Heiligen noch die Bitte um ihre Hilfe lehrt, und stellt Christus als den einen Mittler und Fürsprecher vor die Kirche. Zugleich bejaht es das Gedenken der Heiligen als Beispiele des Glaubens.
Glaube, Gnade und Werke: Leben aus der Gemeinschaft mit Christus
- Offizielle Lehrposition
- Die Rechtfertigung geschieht um Christi willen aus Gnade durch den Glauben; gute Werke folgen notwendig, verdienen aber weder Gnade noch Rechtfertigung.
- Offizielle Vertiefung
- Die Augsburgische Konfession verwirft Rechtfertigung aufgrund von Verdienst, Werken oder Genugtuungen. Der Glaube empfängt Christi Gnade, und gute Werke folgen notwendig als Frucht.
- Bandbreite
- Die lutherische Position unterscheidet den rechtfertigenden Glauben als empfangendes Vertrauen von den folgenden Werken. Seit 1999 stellen der Lutherische Weltbund und die katholische Kirche in der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre einen Konsens in Grundwahrheiten fest; die verbleibenden Unterschiede in Sprache, theologischer Ausgestaltung und Akzentsetzung gelten als tragbar (GER 13; 40).
| Thema | Offizielle Lehrposition | Offizielle Vertiefung | Praxis und Bandbreite | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Eucharistie und Messopfer | Lutherische Kirchen bekennen mit dem Augsburger Bekenntnis, dass „der wahre Leib und das wahre Blut Christi wirklich unter der Gestalt des Brotes und Weines im Abendmahl gegenwärtig ist“, und verwerfen die Gegenlehre (CA X). Die Konkordienformel beschreibt diese Gegenwart als Gegenwart „in, mit und unter“ Brot und Wein und lehnt die Wandlung der Substanz ab. Zugleich verwirft das Augsburger Bekenntnis die Auffassung, die Messe sei ein Werk, das die Sünden Lebender und Verstorbener tilge; Christi einmaliges Opfer genüge (CA XXIV). Der lutherische Widerspruch richtet sich daher gegen die Lehre vom Messopfer, nicht gegen die wirkliche Gegenwart. | Offizielle Quelle: Eucharistie und Messopfer | ||
| Dogma und Glaubenslehre | Die Heilige Schrift ist alleiniger Richter, Maßstab und Norm. Die altkirchlichen Bekenntnisse und lutherischen Bekenntnisschriften gelten als treue Zeugnisse und Auslegungen der Schrift, nicht als gleichrangige unfehlbare Autorität. | Offizielle Quelle: Dogma und Glaubenslehre | ||
| Petrus und Papstamt | Nach den Schmalkaldischen Artikeln (II,4) und dem Traktat über Gewalt und Vorrang des Papstes (1537) ist der Papst nicht nach göttlichem Recht das Haupt der ganzen Christenheit. Melanchthon hielt einen Vorrang des Papstes nach menschlichem Recht um des Friedens willen für annehmbar, sofern der Papst das Evangelium zulässt. Das Augsburger Bekenntnis (Art. XXVIII) unterscheidet geistliche und weltliche Gewalt der Bischöfe. | Offizielle Quelle: Petrus und Papstamt | ||
| Sichtbare Kirche und Lehramt | Nach dem Augsburger Bekenntnis ist die Kirche die Versammlung aller Gläubigen, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente dem Evangelium gemäß gereicht werden; das genügt zur wahren Einheit der Kirche (Artikel VII). Den Bischöfen steht nach göttlichem Recht zu, Sünden zu vergeben, Lehre zu beurteilen und dem Evangelium widersprechende Lehre zu verwerfen; darin schuldet ihnen die Gemeinde Gehorsam, nicht aber, wenn sie etwas gegen das Evangelium lehren (Artikel XXVIII). | Offizielle Quelle: Sichtbare Kirche und Lehramt | ||
| Schrift und Tradition | Nach der Konkordienformel sind allein die prophetischen und apostolischen Schriften des Alten und Neuen Testaments Regel und Richtschnur, nach der alle Lehren und Lehrer zu beurteilen sind. Die Glaubensbekenntnisse und übrigen Schriften der Kirche sind nicht Richter wie die Schrift, sondern Zeugnis und Erklärung, wie die Schrift in den Streitfragen verstanden und ausgelegt wurde. | Offizielle Quelle: Schrift und Tradition | ||
| Bibelkanon | Die lutherischen Bekenntnisschriften legen kein Verzeichnis der biblischen Bücher fest. In lutherischen Bibelausgaben stehen die deuterokanonischen Bücher seit Luther gesondert als „Apokryphen“; als kanonisch gelten in lutherischen Kirchen heute in der Regel 66 Bücher. | Offizielle Quelle: Bibelkanon | ||
| Todsünde, lässliche Sünde und Heil | Das lutherische Bekenntnis verwirft die Lehre, wer einmal zum Glauben gekommen sei, könne nicht wieder in Sünde fallen; wer als Glaubender wissentlich gegen sein Gewissen sündigt, verliert Glauben und Heiligen Geist. Wer nach der Taufe gesündigt hat, erlangt jederzeit Vergebung, wenn er Buße tut, und die Absolution soll ihm nicht verweigert werden (Augsburger Bekenntnis, Artikel 12; Schmalkaldische Artikel III,3). Eine Einteilung der Sünden nach Materie, Erkenntnis und Zustimmung kennt es nicht; Vergebung gründet in Christus und seiner Verheißung. | Offizielle Quelle: Todsünde, lässliche Sünde und Heil | ||
| Beichte und Sündenvergebung | Das Augsburger Bekenntnis hält die private Absolution in der Kirche fest, verlangt aber nicht, alle Sünden aufzuzählen, weil niemand alle seine Verfehlungen kennt (CA XI; Ps 19,13). Buße besteht nach CA XII aus Reue und dem Glauben an die Absolution; eine Vergebung durch eigene Genugtuung wird verworfen. Die Apologie nennt die Absolution das Sakrament der Buße (Apol. XIII,4); nach dem Kleinen Katechismus empfängt der Beichtende die Absolution vom Beichtiger „als von Gott selbst“. | Offizielle Quelle: Beichte und Sündenvergebung | ||
| Taufe und Kindertaufe | Nach dem Augsburger Bekenntnis ist die Taufe heilsnotwendig, und durch sie wird Gnade angeboten; auch die Kinder sollen getauft werden, weil sie durch die Taufe Gott übergeben und in seine Gnade aufgenommen werden (Artikel IX). | Offizielle Quelle: Taufe und Kindertaufe | ||
| Firmung | Die lutherischen Bekenntnisschriften zählen die Firmung nicht zu den Sakramenten; sie gilt als von den Vätern übernommener Ritus ohne Gebot Gottes (Apologie XIII). | Offizielle Quelle: Firmung | ||
| Priestertum und apostolische Sukzession | Die Augsburgische Konfession bejaht ein geordnetes öffentliches Predigt- und Sakramentsamt. Sie verwirft die Messe, sofern sie als menschliches Werk zur Tilgung von Sünden Lebender oder Verstorbener verstanden wird; der Streit betrifft daher nicht die bloße Existenz eines Amtes. Das Zweite Vatikanische Konzil würdigt, dass die reformatorischen Gemeinschaften im Abendmahl die lebendige Gemeinschaft mit Christus bekennen, sieht bei ihnen aber „vor allem wegen des Fehlens des Weihesakramentes“ die volle Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt (UR 22). | Offizielle Quelle: Priestertum und apostolische Sukzession | ||
| Krankensalbung | Die lutherischen Bekenntnisschriften zählen die Letzte Ölung nicht zu den Sakramenten: Die Apologie rechnet sie zu den von den Vätern übernommenen Riten, die kein Gebot Gottes haben (Art. XIII). | Offizielle Quelle: Krankensalbung | ||
| Ehe | Die Ehe wird als von Gott gegebene Ordnung hochgehalten, aber nicht im katholischen Sinn als Sakrament gezählt. | Offizielle Quelle: Ehe | ||
| Gebet für Verstorbene und Fegefeuer | Die lutherischen Bekenntnisschriften verwerfen das Fegefeuer und die Messe als Opfer für Verstorbene, weil allein Christus und nicht Menschenwerk den Seelen helfe (Schmalkaldische Artikel II,2; CA XXIV). Das Gebet für die Toten verbietet die Apologie dagegen nicht; sie verwirft nur, dass das Abendmahl den Verstorbenen durch den bloßen Vollzug zugewendet werde (Apologie XXIV). | Offizielle Quelle: Gebet für Verstorbene und Fegefeuer | ||
| Die sieben Sakramente als biblische Gesamtstruktur | Taufe und Abendmahl werden als von Christus eingesetzte Sakramente bekannt; die Apologie des Augsburger Bekenntnisses zählt auch die Absolution zu den wahren Sakramenten und kann die Ordination ein Sakrament nennen, wenn sie als Dienst am Wort verstanden wird (Apol. XIII). Die private Absolution soll in der Kirche beibehalten werden (CA XI). | Offizielle Quelle: Die sieben Sakramente als biblische Gesamtstruktur | ||
| Maria: Seligpreisung, Fürbitte und die Mutter des Herrn | Das Augsburger Bekenntnis bekennt Christus als „geboren aus der reinen Jungfrau Maria“ (Art. III) und erinnert an die Heiligen als Vorbilder des Glaubens; nach Artikel XXI lehrt die Schrift aber weder die Anrufung der Heiligen noch die Bitte um ihre Hilfe, weil Christus der einzige Mittler ist. Die Unbefleckte Empfängnis und die Aufnahme Mariens lehrt es nicht. | Offizielle Quelle: Maria: Seligpreisung, Fürbitte und die Mutter des Herrn | ||
| Heilige und Fürbitte: Gemeinschaft unter dem einen Mittler | Das Augsburgische Bekenntnis (Art. XXI) bejaht das Gedenken der Heiligen als Beispiele des Glaubens, lehrt aber, dass sich aus der Schrift nicht beweisen lasse, dass man die Heiligen anrufen oder Hilfe bei ihnen suchen solle, weil Christus der eine Mittler und Fürsprecher ist. Die Apologie räumt ein, dass die Heiligen im Himmel für die Kirche im Allgemeinen beten, bestreitet aber, dass ihre Anrufung ein Gebot, eine Verheißung oder ein Beispiel in der Schrift habe. | Offizielle Quelle: Heilige und Fürbitte: Gemeinschaft unter dem einen Mittler | ||
| Bilder und Reliquien: Verehrung ohne Vergöttlichung | Die lutherische Reformation hat den Bildersturm abgelehnt: Martin Luther verteidigte 1525 in „Wider die himmlischen Propheten, von den Bildern und Sakrament“ Bilder als Hilfe zum Gedächtnis, und lutherische Kirchen behielten Kruzifixe und Altarbilder. Die lutherischen Bekenntnisse zählen die Zehn Gebote wie die katholische Kirche, verwerfen aber die Anrufung der Heiligen (CA XXI) und den Reliquienkult ihrer Zeit (Schmalkaldische Artikel II,2). | Offizielle Quelle: Bilder und Reliquien: Verehrung ohne Vergöttlichung | ||
| Gebet und katholische Praxis: Vaterwort, Wiederholung und Rosenkranz | Das Augsburgische Bekenntnis XXI lehrt, dass die Schrift weder die Anrufung der Heiligen noch die Bitte um ihre Hilfe lehrt, und stellt Christus als den einen Mittler und Fürsprecher vor die Kirche. Zugleich bejaht es das Gedenken der Heiligen als Beispiele des Glaubens. | Offizielle Quelle: Gebet und katholische Praxis: Vaterwort, Wiederholung und Rosenkranz | ||
| Glaube, Gnade und Werke: Leben aus der Gemeinschaft mit Christus | Die Rechtfertigung geschieht um Christi willen aus Gnade durch den Glauben; gute Werke folgen notwendig, verdienen aber weder Gnade noch Rechtfertigung. | Die Augsburgische Konfession verwirft Rechtfertigung aufgrund von Verdienst, Werken oder Genugtuungen. Der Glaube empfängt Christi Gnade, und gute Werke folgen notwendig als Frucht. | Die lutherische Position unterscheidet den rechtfertigenden Glauben als empfangendes Vertrauen von den folgenden Werken. Seit 1999 stellen der Lutherische Weltbund und die katholische Kirche in der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre einen Konsens in Grundwahrheiten fest; die verbleibenden Unterschiede in Sprache, theologischer Ausgestaltung und Akzentsetzung gelten als tragbar (GER 13; 40). | Offizielle Quelle: Glaube, Gnade und Werke: Leben aus der Gemeinschaft mit Christus |